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Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Diskussionen zu Stockseiten allgemein
fotocute
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Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Beitragvon fotocute » Do 26. Apr 2018, 13:17

https://www.ipcl-rieck.com/allgemein/wi ... rafen.html" onclick="window.open(this.href);return false;


Danke!

spiegel
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Re: Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Beitragvon spiegel » Do 26. Apr 2018, 14:20

Hab jetzt auch noch ein paar andere Seiten zu der Thematik durchgelesen, der Tenor ist bei der Mehrzahl ähnlich ungünstig.
Also im Großen und Ganzen, ab dem 25.5.18 keine Fotos mehr mit Personen ohne komplettes MR. Auch nicht als "Beiwerk".
Auch unsere schöne "Editorial"-Ausnahme, die uns ja bislang immer ermöglicht hat, (fast) alles anzubieten, nützt dagegen nichts - wenn ich es richtig verstanden habe.
Das wirft meine gesamten Planungen über den Haufen.

Was ich noch gar nicht verstanden habe, wie sieht es mit "Altlasten" aus ?
Was ist mit Fotos, die vor dem 25.5.18 auf den Stockseiten gelandet sind und Personen erkennbar zeigen (als Editorial), ohne deren Einwilligung ?
Weiß da jemand schon Näheres ?

Edit:
Als erste Konsequenz hab ich schon mal in vorauseilendem Gehorsam die Links zu meinen Stockseiten aus der Signatur gelöscht.
Erste Panik macht sich breit :shock:

comofoto
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Re: Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Beitragvon comofoto » Do 26. Apr 2018, 15:02

Ich habe in Anbetracht der allgemeinen Unsicherheit (und der damit verbundenen Bedenken) vor ein paar Tagen einen Fachanwalt konsultiert. Das Ergebnis ist leider ernüchternd, da viele Fragen offen sind und in Anbetracht der Untätigkeit des deutschen Gesetzgebers erst im Laufe der Zeit durch Urteile geklärt werden können.
Fakt scheint derzeit zu sein, dass starke Zurückhaltung angesagt ist, dass Abbildungen von Personen erst garnicht angefertigt werden dürfen (schon die Anfertigung ist nicht erlaubt, die spätere Veröffentlichung ohne ausdrückliches Einverständnis sowieso nicht). Das heisst nach seiner Auskunft, dass bereits das Fotografieren einen unerlaubten Tatbestand erfüllt, das Abspeichern der entspr. Datei auf dem eigenen PC umso mehr. Die Weitergabe des entspr. Bildes sowieso.
Nach seiner Meinung macht sich schon angreifbar, wer das unbearbeitete Original mit den Aufnahmedaten auf seinem PC vorhält -auch dann, wenn dieses Bild später beim Verkauf so bearbeitet wird, dass die Personen unkenntlich sind.
Nur ist die Frage, wer das denn kontrollieren will und dem Fotografen dann zur Last legen will. Rein theoretisch aber ists schon ein Verstoss.

Was mit den bislang angefertigten und hochgeladenen (und auch verkauften) Bildern wird, blieb im Gespräch offen, ob da ein Vertrauensschutz für den Fotografen besteht, ist ungeklärt.

Sollte das nicht der Fall sein (und das Gesetz sagt zu diesem speziellen Fall offenbar nichts), dann würde sich die Frage stellen, ob denn nicht nur hochgeladene Bilder, sondern insbesondere verkaufte und von Kunden genutzte Aufnahmen nachträglich zu löschen sind (ein schier undurchführbares Unterfangen, Flyer wieder einzusammeln, Werbedrucke zu vernichten oder -meist unbekannte- Homepages zu ändern).

Ich habe auf seinen Rat hin erst einmal alle Aufnahmen aus meinem Portfolio eliminiert, die Personen in Nahaufnahme zeigen (ohne dass diese bislang schon direkt erkennbar waren). Personen bspw. auf Stadtansichten habe ich in der Vergangenheit auch schon immer unkenntlich gemacht, zusätzlich werde ich die Originale auf meiner Speicherplatte löschen.

Insgesamt ein Riesen-Aufwand, unglaublich viel Verunsicherung, die auch von Juristen derzeit nicht ansatzweise ausgeräumt werden kann und schlussendlich definitiv das Ende jedweder Streetfotografie oder der Veranstaltungsfotografie, wenn Personen auf den Bildern zu sehen sind (bspw. jubelnde Scharen bei Konzerten -und sei es nur in der Totalen) bedeutet.
Editorialbilder dürften ein ebenso grosses Problem darstellen, wenn sie nicht von oder mit Auftrag für die "institutionalisierte Presse" angefertigt werden. Wer hier Editorial-Material hochlädt und kein ausdrücklicher Pressevertreter ist, dürfte diese Bilder eigentlich schon garnicht anfertigen -und schon garnicht auf seiner Festplatte speichern. Und ob diese in einer Agentur angebotenen Bilder dann tatsächlich nur von der anerkannten Presse genutzt werden oder nicht, stellt sich auch als Frage dar (Blogger scheinen nicht mehr unter diesen Begriff zu fallen). Wer trägt da das Risiko der Fehlverwendung? Die Bildagentur, der Verwender oder evtl. auch der Fotograf?

Irre, dieses Thema und voller Fallstricke.

Für mich heisst das auf jeden Fall, zukünftig nichts mehr zu machen, wo Menschen erkennbar sind.

Das Verrückteste an der ganzen Geschichte ist ja wohl auch für alle Personenfotografen, dass einmal eingeholte Freigaben des Fotografierten jederzeit ohne Begründung vom Fotografierten zurückgezogen werden können, ein Release also keinerlei Sicherheit mehr gibt.
Was ist dann mit den Bildern, die bereits verkauft wurden und von den Käufern genutzt werden, wenn das Model die Freigabe widerruft?
Wer haftet denn dann?

Derzeit warnen alle nur und keiner kann auch nur einen Hauch von Rechtssicherheit vermitteln, auch der o.g. Fachanwalt nicht.
Fotolia:Comofoto

Claudio
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Re: Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Beitragvon Claudio » Do 26. Apr 2018, 15:17

Danke für diesen wertvollen Hinweis! :shock:

comofoto
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Re: Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Beitragvon comofoto » Do 26. Apr 2018, 15:30

ich finde ja auch noch eine andere Sache völlig verrückt:
Analoges Fotografieren von Personen scheint nach Darstellung einiger Anwälte zukünftig erlaubt, da dann keine gleichzeitige Speicherung der Daten -vor allem mit Uhrzeit, Datum und ggfls. GPS-Ort- stattfindet.
Ist das analoge Negativ dann keine dauerhafte Archivierung und was passiert, wenn es eingescannt wird und der Scan auf Festplatte ruht?

Aus der "Freigabe" analoger Fotografie (in Ermangelung digital festgehaltener Aufnahmedaten) ergibt sich folgender Fragenkomplex:
Wenn beim digitalen Aufnehmen die Uhrzeit/das Datum/der Ort die kritikwürdigen und verbotenen Details zur Person darstellen, was ist, wenn ich an meiner Kamera GPS erst garnicht aktiviere, die Angaben demzufolge nicht erstellt werden/nicht in die EXIFs wandern UND GLEICHZEITIG die in der Kamera eingestellten Daten wie Uhrzeit und Datum völlig absurd verändere, so dass diese nicht mehr mit dem tatsächlichen Zeitpunkt übereinstimmen?
Dann wäre der vom Gesetzgeber ja als unzulässig angesehene Schluss, wann sich die abgebildete Person wo aufgehalten hat, völlig unklar, ein Rückschluss im Sinne der datenschutzrechtlichen Speicherung garnicht mehr möglich.

Reicht es dann schon, die Daten in der Kamera so zu verändern, dass die bewusst "fehlerhafte" Angaben in die EXIFs schreibt, dann zusätzlich die Gesichter bei Strassenübersichten unkenntlich zu machen, um aus dem Schneider zu sein?
Dann wäre doch die personengebundene Zuordnung falsch und von daher dem Gesetz Genüge getan, oder??
Mein Anwalt hat geschmunzelt, war aber zu keinem weiterführenden/hilfreichen Kommentar bereit.

Wenn man sich mal anschaut, welche Konsequenzen das Gesetz vor allem für kommerziell tätige Fotografen hat, könnte es einem schlecht werden.
Fotolia:Comofoto

Claudio
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Re: Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Beitragvon Claudio » Do 26. Apr 2018, 17:07

Was fast noch schlimmer für uns ist: Außerhalb Europas werden diese Fotos wunderbar weiter produziert und ob sich die osteuropäischen Stocker an die neuen Regeln halten werden, darf bezweifelt werden. Das heißt, dass im weltweiten Wettbewerb nur unsere Portfolios beschnitten werden. :roll:

Zum Verfälschen der Kameradaten: bei Editorials geben wir Ort und Datum immer an, weil die Agenturen das verlangen. Hier ist ja kaum vorstellbar gegenüber den Agenturen mit falschen Daten zu agieren.

Wir werden jetzt erst einmal keine Editorials mehr mit Menschen drauf hochladen und die Bestände stehen lassen. Mal sehen, ob sich in den kommenden paar Wochen noch etwas ergibt. Wir sind ja nicht die einzigen Leidtragenden und ich denke, es sind auch Berufsgruppen betroffen, die mehr zu verlieren haben als wir als Hobby-Stocker (damit meine ich meine Frau und mich!). Da wird ja hoffentlich auch noch ein bisschen Druck entstehen. Parallel dazu werde ich aber mal irgendwo hinschreiben, um meinem Unmut Luft zu machen - vielleicht ist Frau Bär da die Richtige.

PS: Mir fällt gerade ein, dass ich ja auch noch eine Schulhomepage mit über 250 Seiten betreue ... da werde ich wohl 99 % der Fotos entfernen müssen. :shock:

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Re: Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Beitragvon comofoto » Do 26. Apr 2018, 17:59

mit solchen Seiten wie der Schulhomepage, bei der es ja nicht um kommerzielle Fotos geht, würde ich erst einmal langsam machen, nichts löschen.
Ich hoffe, dass in den nächsten Wochen noch etwas Klarheit einkehrt, was mit zurückliegend eingebrachten/fotografierten Dateien zu geschehen hat.
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Re: Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Beitragvon spiegel » Do 26. Apr 2018, 18:44

bei der es ja nicht um kommerzielle Fotos geht


Soweit ich den verlinkten Artikel verstanden habe, geht es nicht ums Kommerzielle, sondern ums Gespeicherte.
Wobei schon die Speicherkarte in der Kamera als Speicher zählt.
Strikt ausgelegt, darfst du noch nicht ein mal Personen fotografieren, wenn du sie später rausstempelst....
Auch privat nicht und sicher nicht für eine Internetseite, auch wenn es die der Schule ist.

Wobei diese Schulseite noch richtig tolle Fragen aufwirft.
Wenn die Kids minderjährig sind, und die Eltern das MR geben, können die lieben Kleinen später, wenn sie das 18. Jahr erreicht haben, das MR wieder rückgängig machen?

Diese Verordnung schafft mehr Fragen als Antworten.

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Re: Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Beitragvon comofoto » Do 26. Apr 2018, 18:55

Fragen in allen Bereichen, viel weitgehender, als man im ersten Moment denkt.
Was ist mit Handy-Videos auf Veranstaltungen, die sich auf Facebook, Twitter und Co finden?
Doch eigentlich ohne Einverständnis der Gezeigten ebenfalls verboten.
Wie will man effektiv gegen die unendlich vielen Personen vorgehen, die bei Veranstaltungen nichts anderes zu tun haben, als ihre Handys filmend über die Köpfe anderer Personen hinweg halten, auf "Teufel-komm-raus" filmen und das Ganze dann in den sozialen Netzwerken zeigen? Alles mit Strafe belegt?
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Re: Leute fotografieren komplett vorbei nicht mal mehr Sehenswürdigkeiten

Beitragvon AndyA » Do 26. Apr 2018, 20:21

@ fotocute: Vielen Dank an dich für diese Information. Obwohl ich viel Zeitung lese und die Politik verfolge, habe ich dieses neue Gesetz überhaupt nicht mitbekommen.
Das Thema ist ja offensichtlich Datenschutz, wobei der Bereich Fotografie lediglich ein kleiner Unterpunkt ist, aber mit großen Auswirkungen - nicht nur für (Stock-) Fotografen.
Soweit ich das Ganze - nur kurz überflogen - mitbekommen habe, geht es um Erfassen und Speicherung von persönlichen Daten. Ein Riesenthema.
Zwei erste Ideen bzw. Fragen dazu:
1. Normale Touristen laufen rum und knipsen mit ihrer Digitalkamera unbedarft Sehenswürdigkeiten. Natürlich sind an attraktiven Plätzen auch andere Menschen, die auf den Fotos mit drauf sind. Daheim speichern sie ihre Fotos auf dem Computer. Ist das jetzt strafbar?
2. Was machen künftig Redaktionen? Sie konnten über den Bereich "editorial" günstig Fotos von "Events" und Situationen von öffentlichem Interesse (z.B. Eröffnung der neuen IKEA-Filiale) bei Stockagenturen kaufen. Müssen die jetzt Pressefotografen engagieren (sogar festanstellen), wenn sie Fotos von Events mit Menschen abbilden wollen? Das wäre ja eine enorme Verteuerung, um an Fotomaterial ran zukommen. Die Redaktionen müssten ja als erste gegen dieses Gesetz protestieren. Ich denke dabei nicht nur an die Tagespresse, sondern auch an Reiseführer etc.


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